Fickt das Prekariat!

8 07 2008

Wenn man an einem Infostand bei einem schwul-lesbischen Strassenfest steht oder auf einem Wagen auf dem CSD mitfährt hat man ja die schöne Aufgabe, kleine Giveaways ans Volk zu verteilen, die natürlich auch als Werbeträger dienen.

Unsere Renner waren die Aufkleber, von denen der hier mein Favorit war:

Eine etwas umfangreichere Liste der Aufklebermotive gibts bei Julia.

Natürlich haben auch andere Parteien Aufkleber verteilt, was schon mal zu peinlichen Situationen Führen kann, wenn jemand mit einem riesigen FDP-Aufkleber auf der Brust ganz gerne noch etwas von den Grünen daneben hätte. Besonders ein Aufkleber der FDP war etwas seltsam. Auf dem stand tatsächlich „Fruchtbar Deutsch Paarungswillig“. Ich hab später, mit etwas Recherche, herausgefunden, dass es sich dabei eigentlich um einen satirischen Slogan handelt, der vor einigen Jahren von Harald Schmidt entwickelt wurde, als irgend so eine „liberale“ Nase gesagt hat, dass in Deutschland die falschen die Kinder bekommen und sich doch eher die Akademikerinnen als die sozial schwachen fortpflanzen mögen.

Diesen Slogan haben natürlich die total humorvollen jungen Liberalen in NRW aufgenommen und ausgerechnet auf dem CSD verteilt. Von wegen fruchtbar. Bei mir stellt sich nun die Frage, ob Satire noch Satire ist, wenn sie von den Parteien aufgenommen und vereinnahmt wird. Sicherlich könnte man sagen, dass bei der FDP ja eigentlich alles eine grosse Verarsche ist und man die ja eh nicht mehr ernst nehmen kann.

Allerdings sollte man es sich nicht so einfach machen. Tatsache ist, dass die „Liberalen“ mit einem Spruch beim CSD aufgeschlagen sind, der auch von der NPD kommen könnte. Die Ironie der ganzen Geschichte erschliesst sich einem ja nicht, wenn man den Hintergrund nicht kennt.

Sollte die FDP für das nächste Jahr noch einen witzigen Spruch suchen, der dazu noch ehrlich und vollkommen ironiefrei wäre, kann sie gerne den hier verwenden:

Der passt dann auch zu Schwulen.





Meine Fotos vom Kölner CSD jetzt online

7 07 2008

Gestern habe ich den CSD in Köln auf dem Wagen der Grünen miterlebt, wo ich auch einiger sehr nette Fotos gemacht habe, die man sich bei Flickr anschauen kann.

Wahrscheinlich dauert es keine acht Jahre, bis ich das nächste mal da erscheine. :-)





Der CSD in Köln

4 07 2008

An diesem Wochenende findet in Köln der diesjährige CSD statt, an dem ich wider erwarten teilnehme. Eigentlich hatte ich ja nicht vor, neben Bielefeld und vielleicht Hagen an weiteren CSDs teilzunehmen. Allerdings war ich letzten Samstag bei einem Treffen der unter 35-jährigen Grünen in NRW, bei dem mich ein Mitglied des Landesvorstands, dessen Namen ich jetzt nicht erwähnen möchte, gefragt hat, ob er mich auch am nächsten Wochenende in Köln sehen wird.

Worauf ich gesagt habe, dass ich keinen Bock auf das ganze CSD-Gedöns habe und Köln sowieso total scheisse finde.

Das lokalpatriotische Kölner LaVo-Mitglied fand das ganz offensichtlich nicht so nett von mir. Später am Abend, als ich wieder zuhause war, habe ich mir überlegt, ob es nicht an der Zeit wäre, alte Vorurteile zu überprüfen. Ich war seit acht Jahren nicht mehr in Köln und das hat auch seinen Grund. Köln habe ich immer als extrem oberflächlich empfunden und es irgendwie nie geschafft, mit den Leuten da warm zu werden. (Vor allem mit den warmen)  Eigentlich war ich vor acht Jahren ein ganz anderer Mensch. Vor allem, was mein Verhältnis zu anderen betrifft. 

Vielleicht nehme ich Köln und seine Bewohner ja heute auch ganz anders wahr. Deshalb werde ich mir in den nächsten 2 Tagen die volle Drönung Köln geben und dabei noch ein wenig Arbeit für die Partei machen. Was von der Betreuung des grünen Infostandes bis zu einer Fahrt auf dem Paradewagen, auf dem übrigens auch Julia mitfährt und der u.a. von 2 sehr netten Gelsenkirchener Polizisten bewacht wird, reicht.

Das besagte LaVo-Mitglied hat sich übrigens schon ausgiebigst lustig über mich gemacht. Und das wohl auch mit Recht, da der Weg von „Köln ist scheisse“ zu „ich will auf den Wagen“ tatsächlich ziemlich kurz war. Asche auf mein Haupt.

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Grüne Jugend für einen politischen CSD

27 06 2008

Die grüne Jugend hat eine sehr erfrischende Erklärung veröffentlicht, in der sie sich vor allem kritisch mit der Entwicklung der CSDs und der Schwulenbewegung im ganzen auseinandersetzt. CSDs sind in den letzten 15 Jahren ja zu so etwas wie kleine Love Parades verkommen, bei denen das Politische höchstens noch am Rand auftaucht.

Sie unterstützen darin vor allem den Transgenialen CSD, der morgen -leider ohne mich- in Kreuzberg startet, sich nicht zuletzt im diesjährigen Motto gegen die Kommerzialisierung des schwul-lesbischen Protestes einsetzt und sich schon in den letzten Jahren als geeignete Plattform schwuler Selbstkritik bewährt hat.

Kritik an der Entwicklung der schwul-lesbischen Szene kommt auch von der grünen Jugend, die eine deutliche Zunahme konservativer oder noch schlimmerer Tendenzen unter den Schwulen und Lesben wahrnimmt. Das ist etwas, was mein derzeitiger Lieblingsgegner Gay West natürlich nicht umkommentiert lassen kann. Nur scheint der gute Mann nicht zu wissen, wo er seine Kritik ansetzen könnte. So betreibt er mit der absurden Frage, ob die Grünen wieder(!) Sex mit Kindern unterstützen eine traurige Selbstdemontage. Auf diese Frage kommt er, weil die grüne Jugend Solidarität mit allen Minderheiten gefordert hat, ohne Pädophile und Neonazis konkret dabei auszunehmen.

Da Herr West ganz offensichtlich von der abwegigen Annahme geleitet wird, dass von ihm erwartet wird links zu sein, möchte ich mich ihm an dieser Stelle mal persönlich zuwenden.

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