Lesenswertes zu den 1-Euro-Jobs

28 11 2008

Nachdem es ja kürzlich einige kleine Irritationen gab, weil ich 1-Euro-Jobs als Zwangsarbeit bezeichnet habe, möchte ich nun auf einen sehr lesenswerten Artikel von Jan Gehrken hinweisen, der im „Forum Recht“ erschienen ist: http://www.forum-recht-online.de/hp/pdf/Hefte/FoR0801_009_Gehrken.pdf





Fickt das Prekariat!

8 07 2008

Wenn man an einem Infostand bei einem schwul-lesbischen Strassenfest steht oder auf einem Wagen auf dem CSD mitfährt hat man ja die schöne Aufgabe, kleine Giveaways ans Volk zu verteilen, die natürlich auch als Werbeträger dienen.

Unsere Renner waren die Aufkleber, von denen der hier mein Favorit war:

Eine etwas umfangreichere Liste der Aufklebermotive gibts bei Julia.

Natürlich haben auch andere Parteien Aufkleber verteilt, was schon mal zu peinlichen Situationen Führen kann, wenn jemand mit einem riesigen FDP-Aufkleber auf der Brust ganz gerne noch etwas von den Grünen daneben hätte. Besonders ein Aufkleber der FDP war etwas seltsam. Auf dem stand tatsächlich „Fruchtbar Deutsch Paarungswillig“. Ich hab später, mit etwas Recherche, herausgefunden, dass es sich dabei eigentlich um einen satirischen Slogan handelt, der vor einigen Jahren von Harald Schmidt entwickelt wurde, als irgend so eine „liberale“ Nase gesagt hat, dass in Deutschland die falschen die Kinder bekommen und sich doch eher die Akademikerinnen als die sozial schwachen fortpflanzen mögen.

Diesen Slogan haben natürlich die total humorvollen jungen Liberalen in NRW aufgenommen und ausgerechnet auf dem CSD verteilt. Von wegen fruchtbar. Bei mir stellt sich nun die Frage, ob Satire noch Satire ist, wenn sie von den Parteien aufgenommen und vereinnahmt wird. Sicherlich könnte man sagen, dass bei der FDP ja eigentlich alles eine grosse Verarsche ist und man die ja eh nicht mehr ernst nehmen kann.

Allerdings sollte man es sich nicht so einfach machen. Tatsache ist, dass die „Liberalen“ mit einem Spruch beim CSD aufgeschlagen sind, der auch von der NPD kommen könnte. Die Ironie der ganzen Geschichte erschliesst sich einem ja nicht, wenn man den Hintergrund nicht kennt.

Sollte die FDP für das nächste Jahr noch einen witzigen Spruch suchen, der dazu noch ehrlich und vollkommen ironiefrei wäre, kann sie gerne den hier verwenden:

Der passt dann auch zu Schwulen.





Wolfgang Strengmann-Kuhn zum Armutsbericht:

25 06 2008




Zur Berliner Rede 2008

19 06 2008

Die Wiederherstellung der Wahrheit

Unser sehr geschätzter Bundespräsident hat mal wieder in Berlin gesprochen und einen gehörigen Schuss Realitätsverlust zur Schau gestellt. Eigentlich hat er mal wieder nur die Aufgabe übernommen, die ihm seine Förderer Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle zugedacht haben: Der Pastor Fliege des neoliberalen „alles wird gut Gefühls“.

Da der schwarz-gelbe Privatpräsident allerdings nicht darauf hoffen kann, dass er nach der Bayernwahl  mit „seiner“ Mehrheit wiedergewählt werden kann, hat er sich einem Thema zugewannt, das gerade auch die SPD beschäftigt: Kinderarmut.

Allerdings bleibt der Präsident auch hier in seiner Rolle, lobt die „Reformen“ der vergangenen Jahre und fordert sogar eine Agenda 2020. Kinderarmut ist für ihn ein schlimmer Skandal, den man natürlich nicht hinnehmen kann. Allerdings erkennt er nicht, dass dieser Skandal durch die, von ihm gelobte, Reformpolitik erst diese Ausmaße angenommen hat. Offensichtlich ist er auch generell der Meinung, dass dieser Skandal schon nicht so schlimm ist, wie immer behauptet wird. So sagt er:

Gerade die Armut von Kindern – die meist eine lebenslang nachwirkende Benachteiligung hinsichtlich ihrer Chancen bedeutet – dürfen wir nicht dulden. Sie ist ein Skandal. Wahr ist aber auch: Die Armutsquote von Kindern hierzulande ist im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich

Die Armutsquote von Kindern ist in Deutschland also niedriger, als in Rumänien oder Bulgarien. Das beruhigt uns natürlich. Unser Präsident scheint zu wissen, welche Statistiken er lesen muss. Wenn wir uns mit anderen westeuropäischen Staaten vergleichen, was eigentlich das angebrachteste wäre, sieht die Sache schon wieder anders aus. Aber glücklicherweise gibt es ja immer noch Staaten, auf die diese Apostel des enthemmten Marktes verweisen können, um den Leuten vorzugaukeln, dass die „Reformen“ fruchten. (Wie läufts eigentlich in Simbabwe?)

Den Rest des Beitrags lesen »





Blogparade vom 15.5.08

15 05 2008

Man lernt ja immer wieder neue Seiten an den Menschen kennen.

Wer hätte jemals gedacht, dass ausgerechnet Ario mal öffentlich dem Machiavelli der Entmobilisierung der deutschen Provinz Hartmut Mehdorn huldigt?

Dennis ist kampfeslustig und wünscht sich, dass mit Katrin Göring-Eckardt die first Lady des grünen Sozialdarwinismus als Kandidatin für den Parteivorsitz antritt und scheitert. Das wäre wirklich nicht schlecht, da unsere Öko-FDPler sich momentan gefährlich still verhalten, was eine offene Auseinandersetzung über den Kurs der Partei nicht einfacher macht. Fritz Kuhn z.B. sieht man derzeit eigentlich nur, wenn er auf Phoenix mal die Leipziger Parteitagsbeschlüsse der CDU als Hohelied der Vernunft anpreist und der Kanzlerin vorwirft, diesen Kurs verraten zu haben.

Dabei werden die Fronten in unserer Gesellschaft wieder deutlicher, nachdem Michael Glos seine bahnbrechende Idee eines neuen Reichsarbeitsdienstes in die Diskussion gebracht hat. Dafür kann man regelrecht dankbar sein, da man jetzt erst richtig sehen kann, wo die Linie ist.

Den Rest des Beitrags lesen »





Fünf Euro für eine Stunde Geilheit.

10 02 2008

Ein Freund von mir ist Schüler und muß sich in einem Callcenter was dazuverdienen.

Da das ein ziemlich beschissener und schlecht bezahlter Job ist, hat er sich jetzt überlegt, daß Telefonsex vielleicht etwas profitabler und moralischer sein könnte.
Allerdings gestaltet sich die Angelegenheit schwieriger und ernüchterner, als man sich das so denkt.

Die ziemlich verdutzten Schnarchnasen auf dem Arbeitsamt (Ich weiß, das heißt jetzt Agentur. Ist mir doch schnuppe.) waren auf jeden Fall keine Hilfe.
Und die Recherge im Internet hat nur extrem schlecht bezahlte Jobs zu Tage geführt.

Als Sextelefonist bekommt man doch tatsächlich nur schlappe 5 Euro pro Stunde!
Und damit sind nur wirkliche „Arbeitsstunden“ gemeint.
Also die Zeit, in der man auch tatsächlich mit „Kunden“ spricht.
Man muß sich das mal vorstellen. Da muß mensch eine ganze Stunde stöhnen, hyperventilieren, schlüppfrige Geschichten erzählen und sich das Geseier von irgendwelchen unterbegatteten reinziehen, um lächerlich 5 Schleifen nach Hause zu tragen.

Das ist wirklich ein Knochenjob.
Wir brauchen auf jeden Fall einen Mindestlohn für SextelefonistInnen und einen internationalen Tag der ausgebeuteten Maulhure.