Twitter, Facebook und Bloggerträgheit.

6 02 2009

Der grüne Blogger Till Westermayer hat kürzlich via Twitter die Frage aufgeworfen, ob eben dieses Netzwerk dafür verantwortlich ist, dass die Blogging-Aktivität in letzter Zeit zurückgegangen sind.

Ich für meinen Teil kann diese Frage nur mit ja beantworten.

Bei mir hat das Geblogge schon nachgelassen, als ich mir ein Profil bei Facebook zugelegt habe. Mittlerweile bin ich auch bei Twitter, wo ich im grossen und ganzen schon das rausblubbere, von dem ich glaube, dass die Welt ein Recht hat es zu wissen. Der Vorteil bei Twitter ist, dass man sich auf 140 Zeichen pro Beitrag beschränken muss, weshalb die Sachen meist ohne viel Geschwafel auf den Punkt gebracht werden. Das ist ziemlich entspannend. Die Nachteile sind, dass das meiste, das gezwitschert wird eher platt bleibt und die Beiträge im Allgemeinen eine sehr kurze Halbwertzeit haben.

Gelegentlich bekomme ich hier Kommentare auf Beiträge, die ich vor einem Jahr geschrieben habe. Bei Twitter ist das Geschriebene schnell Schnee von gestern. Das fliesst also einiges an Material durch. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich gelegentlich noch das Blog und den Twitter-Feed meines Ortsverbandes füttern muss. Was sich im anstehenden Wahlkampf noch deutlich potenziert.

Allerdings nimmt Twitter in meinem Fall nicht so viel Aufmerksamkeit in Anspruch. Ich schreibe da deutlich weniger rein, als andere. :-) Der deutlich grössere Zeitstaubsauger ist Facebook. Ich finde Facebook sehr interessant. Es ist für mich deutlich entspannender, darüber mit Leuten zu kommunizieren als z.B. über Gayroyal oder Gayromeo. Da bin ich ja schon etwas länger und ehrlich gesagt logge ich mich da nur noch ein, wenn ich ein bestimmtes Bedürfnis habe, was nicht oft vorkommt. Die meisten Typen, sind ja schon recht anstrengend und sehr schwer abzuwimmeln. Da gehe ich doch lieber zu Facebook, chatte etwas mit unserem LaVo-Sonnenschein, Dachauer Junggrünen, New Yorker Comiczeichnern, schreibe Rezepte in die Gruppe meines Lieblingsrealos, kommentiere Statusmeldungen u.s.w.

Ist schon ne tolle Sache. Allerdings fehlt mir dann schon die Lust, noch einen Beitrag in mein Blog zu schreiben. Ich hab ja noch ein nichtvirtuelles Leben. Von daher kann ich den (kurzhaarigen :-) ) Dennis aus Gelsenkirchen schon verstehen.

Ich hab mir allerdings jetzt vorgenommen, zumindest einmal die Woche hier wieder etwas zu schreiben und vor allem so signifikante Ereignisse wie Landes- und Bundesdelegiertenkonferenzen nicht weiter so sträflich zu ignorieren.


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3 Antworten

6 02 2009
Dennis

Mir ist aufgefallen das LDKs bzw. BDKs aufgrund ihrer ihnen innewohnenden Langeweile durchaus ignorierungswürdig sind. Ich habe dahingehend meine Position durchaus geändert, aber wer will es mir verdenken – meine erste BDK war gleich GÖTTINGEN.
Ich nehme an mit Twitter verhält es sich wie mit Stuhlgang und darauf basierend schließe ich mich deiner Meinung an. Wenn man jedes Schließmuskelzucken zum Ausblasen sogenannter Gedankenfürze nutzt muss man sich nicht wundern wenn wenig für die große Wurst übrig bleibt. Oder mal unfäkalisch:
Bloggen ist Text, Twitter ist SMS. Ich mache kein Hehl daraus das ich Bloggen für hochwertiger halte. Obschon ich zugebe das Twitter sicherlich seine Existenzberechtigung hat. Aber für einen Blogbeitrag sammelt man halt Substanz und formuliert diese. In vielen Fällen ähnelt das einem Veredelungsvorgang.
Mir wurde schon alles nachgesagt. Ich sei doof, dumm oder aber auch, journalistisch hochwertig oder künstlerisch kreativ. Eines hat das alles gemein: Es ist im Gesamten mehr als die Summe seiner Zeichen.

Also lass uns weiter Kultur für die virtuelle Ewigkeit schaffen. Blogge. Wenn Twittern dich daran stört knall den Piepmatz ab. „Netzwerke“ knüpfen haben wir doch sowieso nicht nötig.
:)

6 02 2009
Maik B.

Sehr schön geschrieben.
Vor allem der Teil mit der Verdauung hat meiner Mutter sehr gefallen. :-)

Ihr werde den Piepmatz erstmal nicht abschiessen.
Letztlich ist alles eine Frage des Zeitmanagements. Möglicherweise werde ich mal einen Kurs der Heinrich Böll-Stiftung zu diesem Thema besuchen.

BDKen und LDKen finde ich übrigens nicht so langweilig.
Sicher sind die normalen nicht so spannend wie die in Göttingen. Allerdings wäre ja doch einiges zu schreiben gewesen. Vor allem die Listenwahlen der letzten Zeit waren doch sehr kommentarwürdig.

Darüber ob wir es nötig haben, Netzwerke zu knüpfen oder nicht kann man sich sicher streiten.
Ich hoffe nur, dass Du den Brief, den Du nächsten Monat bekommst nicht ignorierst und Dich ins interne Netzwerk der Grünen einloggst.
Auf der BDK in Dortmund konnte man da schon mal reinschauen und sich für die Betaphase ab nächsten Montag einschreiben.

Ich war ziemlich positiv überrascht davon.
Die Arbeitsbedingungen in den Orts- und Kreisverbänden können sich damit wirklich verbessern.
Allerdings müssen die Mitglieder das dafür auch annehmen.

Was meine persönliche Netzwerkbildung betrifft muss ich sagen, dass sich durch Facebook mein Sozialverhalten den Realos gegenüber verändert hat.
Linke Grüne, oder die die sich dafür halten, kenne ich ja schon von dem ein oder anderen Verteiler und „konspirativen Treffen“.
Wenn man da nur im eigenen Saft blubbert, kann man schon so eine gewisse Distanz den Leuten vom anderen Flügel gegenüber aufbauen.

Politisch mag das zwar recht opportun sein, da es da bei einigen Punkten schon klare Differenzen gibt, die man auch nicht so einfach wegbügeln kann.
Was den persönlichen Umgang betrifft, sieht das gleich wieder anders aus.
Man muss mich ja auch mal als Mensch begegnen können. Dann kann man auch bei den gemeinsamen Projekten flügelübergreifend zusammenarbeiten.
Da können solche Netzwerke schon hilfreich sein.

9 02 2009
Till Westermayer

Klar brauchen wir (grüne Linke und sonstige vernünftige Menschen) Netzwerke, und müssen uns drum kümmern, die aktiv zu pflegen und zu knüpfen. Ob digital oder anderswo, egal.

Und dass Facebook, Twitter & Co Zeit klauen können, das stimmt leider auch.

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