Am letzten Montag endete (leider) die aktuelle Staffel von Bauer sucht Frau. Da dieses Sittenbild deutschen Landlebens zu Beginn des neuen Jahrtausends wieder einmal sehr gute Quoten hatte, dürfen wir uns schon auf eine neue Staffel freuen, in der es offensichtlich einige Änderungen geben wird.
In Zukunft sollen wohl auch schwule Bauern an den Mann gebracht werden und auch Bäuerinnen die Chance bekommen, ihrer Einsamkeit mit Hilfe des Privatsenders zu entfliehen.
Ich persönlich bin da etwas zwiegespalten. Zum einen fänd ich das natürlich sehr schön, wenn gerade schwule Landwirte, die es bei der Partnersuche sicher nicht einfacher haben als heterosexuelle Kollegen ein wenig unterstützt würden.
Zum anderen weiss ich nicht, ob die Sendung dann überhaupt noch funktioniert.
Ich möchte mich einmal outen: Ich liebe Formate wie Bauer sucht Frau oder Schwiegertochter gesucht, gerade weil sie so eine Persiflage des klassischen Beziehungsmodells und seiner verzweifelter Opfer ist.
Die Kombination ist doch meistens die selbe. Eine enttäuschte allein erziehende Mutter, die sich dringend einen neuen (finanziellen und emotionalen) Versorger sucht trifft auf einen verschrobenen Landwirt, der auf seinem Hof langsam aber sicher vertrocknet und auf absehbare Zeit (spätestens wenn Mutti stirbt) auch mit der Arbeit etwas überfordert sein wird.
Gemeinsam leben sie den Kameras dann ihren Sissi-Traum von einem Glück bei Hofe und und seine Freude, dass er mal wieder etwas berühren kann, das nicht grunzt, mäht, muht oder quiekt vor. Manchmal emotionaliesieren sie sich dabei dermassen in Rage, dass er ihr nach eine Woche mittels eines überdimensionale Plakats erklärt, dass er sie über alles liebt und sein Leben mit ihr verbringen möchte. In diesen Szenen sieht man als relativ nüchterner Zuschauer meist schon den Keim der Scheidung vier Jahre später. Manchmal müssen die Frauen aber schon in der ersten Woche feststellen, dass der Bauer lieber seinen Hühnern den Finger in den Arsch steckt, als mit ihr romantisch essen zu gehen.
Ich schaue mir das immer mit einem schwulen Freund an. Wir nennen diese Sendung Sarkasmusfestspiele.
Und wenn man sich die Kommentare im unteren Bildrand oder die Musikauswahl ansieht, dann weiss man, dass die Sendung auch so konzeptioniert ist, dass bösartige Tunten da eine Zielscheibe für ihrer Sarkasmus bekommen.
Angesichts dessen frage ich mich, wie das werden soll, wenn da auch Schwule mitmachen. Verbringen die auch brav eine Hofwoche bei dem anderen und versuchen ihn und seine Mutter durch seine Kochkünste und Fähigkeit, eine Kuh zu melken zu beeindrucken oder vögeln die erstmal und schauen dann, ob sich etwas mehr lohnt?
Wenn man da schwule Männer mit aller Gewalt in ein Sendeschema pressen würde, das nun wirklich auf die allerwenigsten Schwulen zugeschnitten ist, könnte das Ergebnis mehr als nur gruselig werden.
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