Die Mahnmalfetischisten!

15 06 2008

Als Single, der wenigstens ein halbwegs geregeltes Sexualleben haben möchte, treibe ich mich zuweilen schon mal auf Homepages rum, die einem die Kontaktaufnahme zu Typen, denen es ähnlich geht ermöglicht, ohne das Haus zu verlassen. Das ist ziemlich praktisch und effektiv. Ausserdem gibt es da immer herrlich komische Fotos. Zumeist unfreiwillig komische. Allerdings frage ich mich, ob ein 150 kg-Typ, der sich in durchsichtige Dessous schmeisst und sich wie eine Bahnhofsnutte schminkt wirklich glaubt, dass er in dem Aufzug vor allem Geilheit provoziert.

Bei Interesse, werde ich diese Fundstücke hier mal veröffentlichen.

Sehr befremdlich sind hingegen die Bilder, die mir in letzter Zeit besonders aufgefallen sind. Offensichtlich denken sehr viele Schwuppen, dass das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas eine besonders coole Location für Fotos für Datingseiten darstellt. Hier drei Beispiele:

Der eine Typ hat sogar nen Fächer in Hand. Wobei, man kann ja noch dankbar sein, dass er nicht was anderes in der Hand hält. Das sind übrigens keine Einzelfälle. Ich glaube sogar, dass keine andere Sehenswürdigkeit in Berlin so oft auf diesen Seiten erscheint.

Was glauben die Typen eigentlich, wofür diese Stelen da stehen? Halten die das für eine Cruisingarea? Was würden die wohl machen, wenn es ein Mahnmal für die von den Nazis ermordeten Schwulen gäbe und das ein Lieblingsmotiv für irgendwelche verzweifelten Sekretärinnen wäre, die auf Heteroseiten einen Mann suchen?

Leider kann man die Reaktion der “Comunity” auf ein solches Verhalten nicht testen, da es ein solches Mahnmal nun mal niemals geben wird. Es gab ja mal die Idee, so etwas zu bauen. Allerdings war die Fidel Castra der Frauenbewegung (TAZ) Alice Schwarzer der Meinung, dass es nicht akzeptabel ist, wenn ein Mahnmal gebaut wird, das den Opfern von Verfolgung und Massenmorden gedenkt, wenn diese Opfergruppe nur aus Männern besteht.

Leider hat sie sich sich am Ende sogar durchgesetzt, weshalb das Mahnmal jetzt der ermordeten Schwulen und leider ignorierten Lesben gedenkt. Ich bin ja auch für die Gleichberechtigung der Frauen und paritätische Beteiligung in allen Bereichen. Allerdings ist es nun mal ein Fakt, dass die Nazis nicht paritätisch gemordet haben. Es tut mir ja auch leid, dass man nur Schwule, aufgrund ihrer Homosexualität, gebrandmarkt, interniert und ermordet hat. Es ist nun mal eine der Ungerechtigkeiten der Geschichte, dass man Frauen keine eigene Sexualität zugestanden und sie deshalb nicht verfolgt hat. Shit happens. Vielleicht klappts ja nächstes mal. 

Ich wäre übrigens auch für ein Mahnmal für die unterdrückten Frauen der letzten Jahrhunderte. Allerdings nur, wenn es auch alle zwei Jahre an die misshandelten femininen Männer erinnert. Oder sollte nur Fidel Castra vorbehalten sein, Mahnmale zu kastrieren. Das kastrierte Homo-Mahnmal ist auf jeden Fall nichts weiter als ein großer fetter Haufen Belanglosigkeit geworden. Es freut mich ja insgeheim, dass man über Alice Schwarzer beinahe das selbe sagen kann. :-)

Bleibt nur noch zu hoffen, dass das die Emma, das Leitmedium deutscher Schwulenfeindlichkeit, mit ihrer Gründerin untergeht.


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Eine Antwort

15 06 2008
Maik B.

Ich bin übrigens Mitglied einer feministischen Partei und habe bis jetzt noch keine frauenbewegte Parteifreundin gefunden, die die Schwarzer nicht furchtbar findet.

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