Energie und Armut

13 05 2008

Meine Erkältung ist nun, bis auf einen sehr nervigen Husten, weitgehend abgeklungen, weshalb ich jetzt endlich mal wieder zu etwas komme.

Gott sei dank habe ich mir in Berlin auch nicht nur einen Virus eingehandelt.

Die Reise war in jeder Hinsicht fruchtbar und sogar politisch recht interessant.

Ich war auf der Konferenz “zukunftsfähige Energieaussenpolitik” der Bundestagsfraktion., auf der versucht wurde, ganzheitliche Antworten auf die Fragen der Energiesicherheit, -gerechtigkeit und die globale Erwärmung zu finden.

Dieser Brückenschlag ist ja nun auch absolut notwendig, da auch Kanzlerinnen und andere Politikerdarsteller, die sich mit Klimaschutzphrasen zu profilieren versuchen, das Thema sofort wieder vergessen, wenn es darum geht, den eigenen Durst nach Energie möglichst billig zu stillen.
Dabei ist die Frage, aus welchen Quellen wir den grossen Teil unserer Energie beziehen entscheidend, wenn man eine noch katastrophalere Klimaentwicklung verhindern will. Energiesicherheit heisst nun mal auch Energienachhaltigkeit und kann am besten gewährleistet werden, wenn man sich so schnell es geht von den schwindenden fossilen Energieträgern verabschiedet.

Und dieser Abschied muss in den nächsten Jahren stattfinden, da ein neu erbautes Kohlekraftwerk über Jahrzehnte in Betrieb bleibt, was den Bremsweg bei der Energiewende sehr lang macht. Leider kam es nicht zu einer echten Diskussion, die ich mir vor allem nach den Ausführungen von Fatih Birol gewünscht hätte, der ziemlich unverhohlen Werbung für die Atomkraft als Lösung für das Klima-Problem gemacht hat. Er sagte, dass es in einigen Jahren zu einem Mix aus einem Drittel erneuerbarer Energien, einem Dritten Atomkraft und einem Drittel CCS-Kraftwerke geben müsse.

Mal ganz abgesehen davon, dass man mit der Pest nicht die Cholera austreiben sollte und ein Ausbau der Atomkraft eher indiskutabel ist, empfand ich es schon als sehr gefährlich, wenn man so tut, als könnte man schon fest mit der praktischen Anwendung der CCS-Technologie rechnen. Ich hielte es für besser, wenn man erstmal davon ausgeht, dass es nicht funktioniert.

Von den Beiträgen der Abgeordneten hat mir die leidenschaftliche Rede von Hans-Josef Fell am besten gefallen. Er hat vor allem darauf hingewiesen, dass Energieeffizienz und Einsparungsmöglichkeiten ein nicht zu unterschätzendes Instrument für den Klimaschutz ist. Dabei sollte man vor allem die viel zu verschwenderische Beleuchtung ins Auge fassen. Die Frage, warum konventionelle Leuchtmittel noch nicht verboten sind, ist durchaus berechtigt.

Zumal wir durch unsere Verschwendungssucht die Preise für diejenigen hochtreiben, die schon oft genug Verlierer der Geschichte wurden und für unseren Reichtum die Zeche zahlen mussten. Der explodierende Rohölpreis mag für uns bisweilen eine Zumutung sein und besonders für ärmere Haushalte eine deutliche Belastung sein. Für Afrika ist dieser Preisanstieg eine Katastrophe. Der gross gefeierte Schuldenerlass, der den ärmsten Ländern der Welt vor einigen Jahren gewährt wurde, ist durch die explodierenden Energiekosten drei mal wieder aufgefressen worden. Was Energiearmut bedeuten kann, veranschaulicht besonders eine Zahl: Jedes Jahr sterben 1,3 Millionen Menschen (zumeist Frauen und Kinder) an den Folgen häuslicher Luftverschmutzung. Die entsteht durch die Verbrennung von Holz oder Dung in irgendwelchen Feuerstellen in den Hütten.

Dabei sind auch hier die erneuerbaren Energien der Hoffnungsträger einer besseren Entwicklung. Ein Kontinent der die benötigte Fläche, Wind und Sonne im Überfluss hat, könnte in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Produktion von Energie spielen.

Ich bin gespannt, wie unsere Fraktion diese Inhalte in die Tagespolitik einfließen lässt.

Für mich als Grüner war es übrigens auch ganz spannend, mir meine designierten Spitzenkandidaten in Aktion anzusehen. Jürgen Trittin und Renate Künast haben die Einführungsreden gehalten und dabei durchaus ihr rhetorisches Talent unter Beweis gestellt. Ehrlich gesagt weiss ich aber immer noch nicht, ob ich sie wähle.

Das hängt wohl ganz stark davon ab, ob sie in den nächsten Monaten Anlass zur Hoffnung liefern, dass sie auch andere wichtige Themen besetzen und den Willen der Partei, HartzIV zu überwinden wirklich glaubwürdig vertreten können. In letzter Zeit hat leider vor allem Renate den Eindruck erweckt, dass sie sich doch eher schon von der Realität verabschiedet hat.

Allerdings ist das auch nicht verwunderlich. Das Paul-Löbe-Haus ist ja wirklich ein interessantes Gebäude. Vor allem mit der Spree und den Schiffchen, die so wirken, als würden sie direkt durchs Gebäude fahren. Wenn ich da allerdings jeden Tag verbringen würde, müsste ich mir wohl auch bewusst gelegentlich Kuren in der Realität verschreiben, um nicht vollkommen abzudrehen. Wenn man sich so ansieht, was in Deutschland so an Politik betrieben wird, gönnen sich wohl eher wenige “Volksvertreter” eine solche Kur.

Wobei sich ja auch nicht einmal alle in ihrer kleinen Welt auskennen. Bärbel Höhn konnte mir z.B. nicht sagen, wo da die Toiletten sind. Sie hat mich nur angesehen, wie einen Autounfall. Offensichtlich war ich der erste Mensch mit Harndrang, der dieses Gebäude betreten hat.


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