Brigitte war gestern. Hier kommt die Sarrazin-Diät!

10 02 2008

Das sozialdemokratische Urgestein Thilo Sarrazin hat nun mit kreativen Menüvorschlägen für HartzIV-Empfänger von sich reden gemacht.
Der Berliner Finanzsenator widerspricht hier der Behauptung, daß man sich vom normalen HartzIV-Satz nicht vollwertig ernähren kann.

Zur Untermauerung seiner These präsentiert der überzeugte Lebensfreudeverweigerer einen ausgeklügelten Armenspeiseplan, in dem er den zur kulinarischen Gier neigenden HartzIV-Empfängern bis aufs Gramm genau vorrechnet, wie sie sich mit ihrem knappen Budget vollwertig ernähren können.

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Natürlich geht diese Rechnung nur auf, wenn der HartzIV-Empfänger auf Alkohol verzichtet, betont diese politische Spitzenkraft.
Offensichtlich glaubt Herr Sarrazin, daß alle HartzIV-Empfänger, die mit ihrem Geld nicht zu Rande kommen auf jeden Fall saufen.

Wenn ich mir diese Liste ansehe, muß man nicht saufen, um mit seinem Geld nicht auszukommen.
Man muß nur versuchen, mal satt zu werden.
Vielleicht bin ich ja zu verfressen, allerdings kommen mir die Mengen doch sehr klein vor.

Mal ganz abgesehen davon ist es grundsätzlich eine Unverschämtheit, wenn sich eine solche Person anmaßt, Menschen belehren zu wollen, mit deren Lebenswirklichkeit er nun überhaupt nichts zu tun hat.
Zudem legt sein üblicher verächtliche Unterton nah, daß ihm auch die nötige Empathie fehlt, sich in die Situation anderer hereinzuversetzen.
Für solche Fälle habe ich einen ganz guten Rat: Fresse halten!

Zumal dieser Senator schon zu einer Blamage für seine Regierung geworden ist und wütende Radiomoderatoren offene Briefe an seine Cheffin schreiben.


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5 Antworten

12 02 2008
Daniela Kron-Bendix

Ja isses denn zu fassen! Am liebsten würde ich Herrn Sarrazin selbst auf diese Diät setzen. Am besten im Big-Brother-Container, damit er nicht schummeln kann! Herr Sarrazin müsste allerdings täglich Freigang bekommen, damit er einkaufen kann. Dafür würde ich ihm dann täglich 3,98 Euro zur Verfügung stellen! (Ist da eigentlich Bus- oder Bahngeld enthalten oder muss er zu Fuß gehen?)

Ach ja – wo ich gerade dabei bin, die ARGE-Gelder enthalten ja sämtliche Beihilfen in pauschalierter Form, d.h. man muss selbst Gelder für eventuelle jährliche Nachzahlungen, Kleidung, sonstige fällige Rechnungen, die Schulhelfte der potetiellen Kinder u.a. ansparen. Das möchte ich dann auch gleich durch Herrn Sarrazin testen lassen, sonst wird die defekte Spülung seines WC’s nämlich nicht repariert, die zugigen Fenster nicht abgedichtet und es gibt auch keine neuen Glühbirnen für die kaputten!

Da müsste man den Test aber auf eine Mindestlaufzeit von 3 Monaten ausdehen!
Danach würde ich dann gerne die BILd-Zeitungsreporter zu einem Interwiev mit Herrn Sarrazin einladen, ob er sein Konzept weiter aufrechterhalten möchte…

Und verzeihung, wenn ich jetzt zu laut gebrüllt habe. Ist sonst nicht meine Art, nur wenn ich mich aufrege!

Eure Danny

13 02 2008
Maik Babenhauserheide

Hallo Danny,

Herr Sarrazin hat ja zumindest schon mal eine Geburtstagseinladung zu einem Essen nach seinem Menüvorschlag bekommen.
Allerdings glaube ich kaum, dass er da hin ist.

http://julia-seeliger.de/geburtstagsessen-fur-sarrazin/
Wäre wahrscheinlich zu feige für so etwas.

Gott jetzt bin ich auch laut geworden.

17 02 2008
Benjamin

Auch wenn der Menüvorschlag von Herrn Dr. Sarrazin lächerlich wirkt, hat er doch als Finanzsenator eine logische Konsequenz gezogen: Wenn der Staat einen bestimmten Betrag für Ernährung in der Sozialhilfe veranschlagt, muss er auch nachweisen, dass man von diesen Betrag auch leben kann. Ich kenne keinen anderen Politiker, der sich wirklich darum mal Gedanken gemacht hat. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen: als Student, der keine reichen Eltern hat, kein Bafög bekommt und von einem privaten Studienkredit lebt (500 Euro monatlich, für die ich am Ende meines Studiums hoch verschuldet bin) bleiben mir abzüglich der Fixkosten wie Miete, Strom, Telefon, Bücher etc. ungefähr 5 Euro täglich für Lebensmittel. Davon lebe ich seit Jahren vegetarisch und auch einigermassen gesund (so hoffe ich). Ich will nicht sagen, dass das jeder kann, und ich weiss auch noch zwei Jahre halte ich das auch nicht mehr aus, aber ich will nur darauf aufmerksam machen, dass diese Debatte auch sehr einseitig zu Lasten des Senators geführt wird.

18 02 2008
Maik B.

Hallo Benjamin,

sicherlich haben sich auch andere Politiker mit der Frage beschäftigt, ob man sich von Hartz IV ordentlich ernähren kann, wobei die meisten zu einem anderen Ergebnis als Herr Sarrazin kamen.
Vielleicht wird der Senator ja etwas ungerecht behandelt, allerdings muss man auch damit rechnen, dass gerade solche Debatten sehr personalisiert geführt werden, wenn man sich auf diese Weisen dazu äußert.

Ehrlich gesagt habe ich bei professionellen Politikern auch keine echten Beißhemmungen.
Die müssen so etwas vertragen können.
Vor allem, wenn sie von Dingen reden, von denen sie nichts verstehen.
Du hast selbst geschrieben, dass Du nicht weisst, ob Du Dich noch 2 Jahre von 5 Euro täglich ernähren kannst.
Möglicherweise hättest Du schon jetzt Beschwerden, wenn Du nicht das Licht vom Ende des Tunnels sehen würdest.

Viele Hartz IV Empfänger haben kaum noch Hoffnung, irgendwann mal mehr zum leben zu haben.
Da kommt zur schlechten Ernährung schon mal ein gehöriger Schuss Resignation, was eine sehr ungesunde Kombination ist.
Aber ehrlich gesagt, ist das eigentliche Problem unserer Sozialgesetze nicht die Höhe von Hartz IV, sondern das bürokratische Monster, dem man ausgeliefert ist.

Das gilt besonders, wenn man sich in irgendeiner Form selbst in Bewegung setzt.
Wenn man daran denkt, wie wichtig Bildung für eine Wissensgesellschaft ist, ist es ein Skandal, dass Du Dich mit Deinem Studienkredit verschuldest.
Am gerechtesten, wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen, auf das auch Studenten Anspruch hätten.

Ähnlich sieht das bei Selbstständigen aus, die in Zeiten der Flaute auf Hartz IV angewiesen sind.
Bei denen wird das Monster jetzt auch noch bissiger:

“Auch selbstständig tätige ALG II-Beziehende erfahren Gängelung im Detail. Sie müssen sich jetzt mit ihrer Leistungsbehörde abstimmen, welche Betriebsausgaben tatsächlich notwendig sind. Vor dem 01.01.2008 galt für die Leistungsbehörden als Maßstab zur Beurteilung der Notwendigkeit einer Ausgabe noch das Steuerrecht. Jetzt müssen Selbständige, die in der Regel nur vorübergehend auf ALG II angewiesen sind, eine zusätzliche Buchführung für den Fallmanager erstellen.”

14 03 2008
Andreas Bernard

Nun Diät trifft es wahrlich. Keiner dieser Speisepläne enthält mehr als 2.000 kcal, im Durchschnitt bleiben sie um die 1.500 kcal. Eine leicht arbeitende Person, also jemand der “nur” Bewerbungen schreibt, zur ARGE geht, die Einkäufe zu Fuß erledigt usw…braucht aber bereits mind. 2.000 kcal, das kann auch leicht bis an die 3.000 kcal herangehen. Aber vom vielen saufen und am Plasma-TV rumzappen sind Hartz 4 Empfänger ja eh alle übergewichtig gell?

Das er täglich nur 2 statt 5 Stück Obst ansetzt … und nur 100 ml statt 2-3 l Getränke…

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