Scheitern als Chance..

9 02 2008

so hieß ein Selbsthilfebuch an dessen Lektüre ich vor vielen Jahren mal gescheitert bin.

Nach der Landtagswahl in Hessen ist mir dieser Titel wieder ins Bewußtsein gerutscht.
Das Ergebnis dürfte allgemein bekannt sein: Die CDU von Roland Koch hat so massive Verluste erlitten, daß ein Ministerpräsident, der auch nur so etwas wie einen Ansatz von Stolz hat auf eine Wiederwahl verzichten würde.
(Schade nur, daß dem guten Roland dieser Begriff so vollkommen fremd ist.)

Sein gelber Schoßhund ist auf seine Kosten so unerträglich fett geworden, wie die Konten seiner Mandanten.
Die SPD hat mit einem ziemlich linken (und grünen) Wahlprogramm ordentlich zugelegt.
Die LINKE ist mit einem respektablen Ergebnis in den Landtag eingezogen.
Und die Grünen haben sich mit beschissenen 7,5% bis auf die Knochen blamiert.

An der Schwäche der Grünen liegt es auch, daß Schwarz-Gelb nun doch stärker ist als Rot-Grün und nur nicht regieren kann, weil mit dem Einzug der LINKEn kein Zweierbündnis, außer der „großen Koalition“, in Hessen möglich ist.

Es gibt nun eine Mehrheit links von CDU und FDP, die, meiner Meinung nach, nun auch für eine Regierung sorgen sollte.
Ehrlich gesagt, bin ich nicht sonderlich traurig über das schlechte Abschneiden der hessischen Grünen, da ich mit diesem eher rechten Landesverband alles andere als zufrieden bin.

So haben sie sich gerade in sozialen Fragen nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
Mal ganz abgesehen davon, daß Joschka Fischer sich bei der Einführung von Hartz IV ganz besonders auf den Rückhalt seiner Freunde aus Hessen verlassen können, schaffen die es bis Heute kaum, sich wirklich konsequent mit den Irrtümern Rot-Grüner Jahre auseinanderzusätzen und ein neues Kapitel aufzuschlagen.
Das hat man ja auf der BDK in Nürnberg gesehen.
Wobei ich Wolfgang Strengmann-Kuhn da eindeutig ausnehmen möchte.

Ähnlich sieht bei der „Friedenspolitik“ aus.
Sicher haben sich viele ehemalige Grünenwähler am Sonntag daran erinnert, daß ihre hessischen Abgeortneten geschlossen, mit Auftrag des Landesvorstandes, gegen den Göttinger Leitantrag und für die Tornadoeisätze gestimmt haben.

Möglicherweise hat dieser Landesvorstand nun dafür die Quittung bekommen.
Somit ist das Scheitern der hessischen Grünen das scheitern der regierigen visionsabstinenten und karriergeilen Realitätslegastheniker.

Dieses Scheitern ist eine echte Chance, sich wieder so etwas wie gesellschaftspolitische Relevanz anzueignen.

Dazu braucht es allerdings etwas Mut.
Den Mut, eine dümmliche Wahlaussage zu vergessen und gemeinsam mit der LINKEn, die linke Wahlmerheit zu einer linken Regierungsmehrheit zu machen.

Interessanterweise sieht der, von mir nicht gerade innig geliebte, Daniel Cohn-Bendit das ganz ähnlich.

In einem Gespräch mit der TAZ
plädiert er für eine von der LINKEn tolerierten Minderheitsregierung.
Von der LINKEn kamen auch schon entsprechende Signale.
Es mutet schon seltsam an, wenn gerade dieser Oberrealo, der in der Tornadofrage überhaupt keine gute Figur gemacht
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hat, nun für eine Öffnung der Partei in Richtung LINKs plädiert.

Man kann jetzt unken und ihm unterstellen, daß er damit nur eine Flexilibisierung in alle Richtungen rechtfertigen will.
Das sollte allerdings nebensächlich sein.
Schließlch geht es hier nicht um seine Heiligsprechung,
maria-cohn-bendit.jpg
sondern die Chance einer linken Regierung in Hessen.

Vielleicht klappt es ja tatsächlich und Frau Y schafft die Rechtfertigung einer solchen Konstellation mit Argument des Respektes vor dem Wählerwillen.

Wahrscheinlich wird das vor der Wahl in Hamburg aber nichts werden.
Bis dahin muss man sich wohl noch öffentlichkeitswirksam an die FDP ramschmeißen, deren Vorsitzende
prinzessin-guido.jpg
heute noch gesagt hat, daß die FDP nicht der nützliche Idiot ist, der Rot-Grün zur mehrheit verhilft.
Wobei das auch nie jemand behauptet hat.

Jeder weiß doch, daß die FDP der nützliche Idiot ist, der keine Probleme damit hat, eine Ausgeburt von Illiberalität wie Roland Koch ins Amt zu wählen.


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